Reporting 2021

Gemeinsam stärker

Interview mit Frank Dreeke

Auch 2021 stand BLG LOGISTICS großen Herausforderungen, aber auch Chancen gegenüber. Die mangelnde Verfügbarkeit von Teilen belastete Kunden im Automobilbereich und der Industrielogistik. Zugleich sorgte der boomende E-Commerce für Aufwind, die Restrukturierung von EUROGATE kam entscheidend voran. Wie verschiedenste Aufgaben dank des starken Gemeinschaftssinns in der gesamten BLG-Gruppe gemeistert werden konnten, erfahren wir im Gespräch mit CEO Frank Dreeke.

Interview mit Frank Dreeke

Was verbinden Sie persönlich mit dem Motto des diesjährigen BLG-Geschäftsberichts „Herausforderungen gemeinsam meistern“?

Ich finde es sehr passend. 2021 war geprägt von Herausforderungen und wir werden diesen auch im laufenden Jahr 2022 gegenüberstehen - wenn auch in den Geschäftsbereichen in unterschiedlicher Stärke. Das Wort gemeinsam finde ich wichtig, weil wir in einem Unternehmen unserer Größenordnung unsere Ziele nur als Gemeinschaft erreichen können - das schafft kein Einzelner allein. Meistern drückt aus, dass wir mit den Herausforderungen nicht nur umgehen, sondern sie zu bewältigen wissen. Das ist keine Theorie, sondern bringt auf den Punkt, was wir in unserer täglichen Arbeit bei BLG erleben.

2021 wird als zweites Coronajahr in die Geschichte eingehen. Mit welchem Gefühl blicken Sie auf das Jahr zurück?

Nachdem wir 2020 hinter uns gelassen hatten, hofften viele, die Pandemie wäre 2021 vorbei. Das war sie leider nicht und wir mussten uns mit der Situation immer wieder neu auseinandersetzen. Die Mischung aus privaten Einschränkungen und geschäftlichen Herausforderungen hat der gesamten BLG-Belegschaft einiges abverlangt. Allen Mitarbeitenden gebührt großer Dank. Ich persönlich hatte keine Zweifel, dass wir besser durch das Jahr kommen. Denn wir hatten schon 2020 in einem gemeinsamen Kraftakt unter Beweis gestellt, dass wir das können. Hier zeigt sich viel Gutes aus dem Kulturwandel, den wir vor dreieinhalb Jahren gestartet haben. Die damals gemeinsam entwickelten Werte wie Veränderungsbereitschaft haben in den vergangenen beiden Pandemiejahren eine elementare Rolle gespielt.

Einen kleinen positiven Effekt hatte Corona jedenfalls: Die Pandemie hat gezeigt, wie wichtig und systemrelevant die Logistik ist. Eine reibungslose Produktion und funktionierende Warenflüsse brauchen eine zuverlässige Logistik. Der Güterzug, der Lkw oder das Schiff - das sind die Lebensadern unserer Wirtschaft. Wir können stolz sein, dass unsere Häfen auch in herausfordernden Zeiten in Betrieb sind.

„Die Pandemie hat gezeigt, wie wichtig und systemrelevant die Logistik ist.“

Frank Dreeke, Vorstandsvorsitzender BLG LOGISTICS

Auf welche Weise wirkten sich die Unsicherheit in den Lieferketten und die mangelnde Verfügbarkeit von Teilen auf das Geschäft der BLG aus?

Im AUTOMOBILE-Bereich und in der Industrielogistik hat sich vor allem der Teilemangel stark auf Volumina ausgewirkt. Zwar konnten wir beispielsweise im Automobilumschlag im ersten Halbjahr 2021 noch eine leichte Steigerung sehen, doch leider hat sich die Erholung aufgrund des Teilemangels im zweiten Halbjahr nicht mehr fortgesetzt.

Wie entwickelte sich das Geschäft abgesehen vom Teilemangel?

Bei EUROGATE sind wir zum einen mit der Transformation deutlich vorwärtsgekommen, zum anderen haben wir von der weltweit hohen Nachfrage an zu transportierenden Containern profitiert. Der hohe Bedarf war über das ganze Jahr 2021 hinweg ein sehr positives Momentum für unsere Terminals, und wir erwarten das auch für 2022. In der Kontraktlogistik haben wir ein ganz ähnliches Bild: Hier war die Nachfrage beim E-Commerce und bei den Konsumgütern erfreulich hoch. Ein weiterer Pluspunkt lag in der Tatsache, dass der stationäre Handel - wenn auch unter Auflagen - wieder aufmachen konnte.

Frank Dreeke

Die BLG hat 53 Millionen Euro aus dem Bremen Fonds erhalten, um die Eigenkapitalquote zu stärken. Erläutern Sie bitte den Hintergrund.

Wir hatten 2019 bei gutem Geschäftsverlauf durch die neue internationale Bilanzierungsvorschrift IFRS 16 eine Verringerung der Eigenkapitalquote um knapp 19 Prozent. Davor hatten wir eine Quote von 34,5 Prozent, was sehr gut war. 2020 ist die Eigenkapitalquote durch das pandemiebedingte negative Ergebnis auf nur noch fünf Prozent gesunken. Eine solche Quote ist allerdings in einem Unternehmen unserer Größenordnung zu niedrig gegenüber den Banken. Denn damit bekommen wir nicht die Konditionen für sinnvolle Investitionen am Kapitalmarkt, um weiterwachsen zu können.

Deswegen haben Sie mit Ihren Anteilseignern gesprochen?

Genau. Wir sind gemeinsam der Überzeugung, dass wir mit unserer Strategie in den drei Geschäftsbereichen bestens aufgestellt sind für weiteres, profitables Wachstum. Und da Corona unser Geschäft nachweislich getroffen hat, konnten wir dafür auf den entsprechenden Fonds der Freien Hansestadt Bremen zurückgreifen.

Mit welchem Ergebnis?

Insgesamt kommen wir nun auf eine Eigenkapitalquote von 12,8 Prozent. Das ist ein klares Signal an die Banken und den Finanzmarkt, dass die BLG auf Kurs ist.

Frank Dreeke
„Wir können für 2021 eine absolute Einsparung bei unseren CO2-Emissionen in Höhe von 13,1 Prozent seit 2018 vorweisen. Das ist bereits mehr als ein Drittel unseres Weges zum Ziel.“
Frank Dreeke, Vorstandsvorsitzender BLG LOGISTICS

Eine nachhaltige Wachstumsstrategie geht heutzutage nicht mehr ohne Klimaschutz. Welchen Weg geht BLG hier?

Der Klimaschutz ist eine Herausforderung der Weltgemeinschaft, den es ebenfalls gemeinsam zu meistern gilt. Die Ziele sind ambitioniert. Auch wir setzen uns für die Ziele der Vereinten Nationen für eine nachhaltige Entwicklung ein, die sogenannten Sustainable Development Goals. Und das in den Bereichen ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit. Dabei betrachten wir die gesamte Lieferkette. Wir setzen uns Ziele und Vorgaben, verpflichten uns zukünftig unter anderem zu den zehn Prinzipien des UN Global Compact. Wir setzen Projekte für und mit unseren Kunden um, tauschen uns mit unseren Stakeholdern aus und nehmen auch unsere Lieferanten in die Pflicht. Beim Thema Klimaschutz unterstützt die BLG auch ihre Kunden. Unter anderem im Bereich der E-Mobilität, indem wir unsere Terminals dahin gehend umrüsten und gemeinsame Projekte zum Einsatz von alternativen Antrieben und Kraftstoffen starten. Wie das C3 zeigt, beschäftigen wir uns auch mit dem Thema klimafreundliche Immobilien. Bei unserem Emissionsreduktionsziel sind wir dabei schon mal auf dem richtigen Weg und können in diesem Jahr eine absolute Einsparung bei unseren CO2-Emissionen in Höhe von 13,1 Prozent seit 2018 vorweisen. Das ist bereits mehr als ein Drittel unseres Weges zum Ziel.

Herr Dreeke, vielen Dank für das Gespräch.